Meine Notizen zur 24. Woche in 2022.

Aktualisiert am 18.6.2022 12:00
Kommentare: https://discord.gg/es2EGqCpvP

18.6.2022Claudia Bitti geht ; Theater “Der Kaiser von Atlantis ;
17.6.2022Habeck in BHV ; RE:MATERIAL Ressourcenneutrales Bauen ;
16.6.2022Effizienz des Hafens ; Magistratsreform ; Containerstau in Hamburg und Bußgeld für HapagLloyd ;
15.6.2022Zukunft der Jugend ; Extremwetter ; Klimarisiko bei Werftquartier ; Weserstrandbad
14.6.2022Sommerempfang ; Hafenliner und ÖPNV ;
13.6.2022Nacht der Kultur ; Columbusbahnhof

18.6.2022 Samstag

Da meint man, ein schönes Wochenende mit 21 Grad kommt, und was soll schon passieren und dann so etwas:

Dr. Jeanne-Marie Ehbauer,
Prof.Dr. Sunhild Kleingärtner, Claudia Bitti. Die Vorgänge ähneln sich. Die Könige von #bremerhaven haben offensichtlich ein Problem mit qualifizierten Frauen. Ein Desaster für den Ruf der Stadt.https://t.co/2QakOyz6YH

— ralf ekrowski, (@ralfekrowski) June 18, 2022

Claudia Bitti will nicht mehr als City Managerin arbeiten!

Dr  Jeanne-Marie Ehbauer, 
Prof. Dr. Sunhild Kleingärtner,
Claudia Bitti.

Die Vorgänge ähneln sich.
Die “Könige von Bremerhaven” haben offensichtlich ein Problem mit qualifizierten Frauen in wichtigen Positionen.
Eine Männerwelt und ein Desaster für den Ruf der Stadt.

Claudia Bitti wird von allen Beteiligten anerkannt und ist hoch qualifiziert.
Ich ahne schon, daß dies vollkommen überflüssige unsägliche Urabanista Gutachten eine Rolle spielt, in dem von einem City-Management gesprochen wird.

Das Gutachten gehört in die Ablage NULL.

Die “Könige von Bremerhaven” beschäftigen sich ja gerne mit den ganz großen Sachen, Magistratsreformen, großen Bauprojekten….. 

Da verliert man schon mal die Bodenhaftung und den Kontakt zur Realität.

Die o.g. Frauen haben sich auf der Karriereleiter nach oben bewegt, 

Bremerhaven bleibt in jedem Ranking unten.

Es wäre an der Zeit, mit neuem politischen Personal einen neuen Anlauf zu nehmen.
Die jetzige Koalition, insbesondere die SPD hat über Jahre bewiesen, daß sie es nicht kann. Also, warum sollte man ihr die Zukunft der Stadt weiter anvertrauen.

Sowohl in der SPD als auch in der CDU werden junge Frauen eher klein gehalten,
vielleicht kommt da ja mal etwas mehr Rebellentum.

Das war auch das Kernthema der Heute Show Spezial:


Gestern seit langem mal wieder ein Theaterbesuch.

Vielmehr die Aufführung von “Der Kaiser von Atlantis”  des Stadttheaters Bremerhaven auf der Havenplatza .

Es hat mich schon immer gewundert, daß dort nicht mehr Theater oder Musik gemacht wird. Der Platz dafür ist perfekt:

Es war eine Oper zur richtigen Zeit, am richtigen Ort.

Gleich zu Beginn kommen die Soldaten, alle in schwarz gekleidet, alt, jung, Kindersoldaten die Rolltreppe aus der Tiefgarage auf die Spielebene gefahren. Ein Gänsehautmoment!

Wie der Krieg, und das Gefühl kam sofort bei mir auf, in das Alltagsleben eingreift, eben diese Sodaten sich auf der Havenplatza bewegen, hat mich tief berührt.
Wir lassen den Ukraine Krieg nicht gerne an uns ran. Formeller politische Aktionismus, ja, Diskussionen im Fernsehen ja, aber solche Gestalten in einem Konsumtempel zu sehen, daß war schon eine andere Nummer.

Konsum und Krieg kamen hier zusammen, das Klimahaus, dessen Thema in Bremerhaven kaum berüchsichtigt wird, fossile Energien, die auf einmal zum Kriegsthema werden.

Und die Wahrnehmung der Welt? Nur noch durch die digitale Watte: Alle Protagonisten im Stück haben ständig ein Tablet, oder Mobil in der Hand.
Dies wird dann höchstens durch eine Waffe ausgetauscht.

Es kam alles zusammen an diesem Ort, mit diesem Stück.

Das Stück endet, wenn auch nicht für den Kaiser, so für die anderen Protagonisten versöhnlich.

Die Kindersoldaten lernen wieder zu spielen.

Da kamen bei mir Erinnerungen hoch: 

1988 reiste ich nach Burma, wie es damals noch hieß, heute Myanmar.
Ein Land mit einer blutigen Kolonialgeschichte, Militärdiktaturen, Hoffnung und Krieg und vielen Namen.

1988 herrschte, wie so oft, eine Militärdiktatur, und über diese Reise könnte ich noch mehr schreiben, da die Studentenproteste gerade blutig niederschlagen worden waren.

Wir haben dort gastfreundliche, offene und gebildete Menschen getroffen.
Sie haben mir in einem buddhistischen Land mehr von meiner Religion erzählt, als ich damals vom Buddhismus wusste.
Bis heute hat mich diese Reise tief geprägt und beeindruckt, die Dias verblassen, aber nicht meine Erinnerung.
Das Land kommt einfach nicht zur Ruhe. Schon damals waren die Chinesen überall involviert, und China schützt dort nach wie vor seine wirtschaftlichen Interessen .

Aber das ist hier nicht das Thema.
Warum die Erwähnung der Reise an dieser Stelle?

Es war ein kleines Kinderspielzeug, das ich dort gekauft hatte.

Die Kinder verstanden gar nicht mein Interesse an diesem kleinen Boot, für sie war es Normalität, sie hatten es aus alten Blechdosen gebaut.
Sie spielen damit in einer kleinen Wanne. Im Boot zündet man eine kleine Kerze an, und die Hitze wird dann als Antrieb genutzt. Kanonenboote ware für sie Normalität.

Und als in der Schlußszene der Oper die Kinder wieder begannen, zu spielen. Da kamen mir sofort die Erinnerungen, und auch die Wut über die Folgen der Kriege für die Kinder im Land.

Und, da sind wir wieder bei der Havenplatza.
Wir lassen das Elend der Kriege nicht gern an uns heran, weil wir lieber in unserem Leben nicht gestört werden wollen. Es war uns lange egal, woher das Gas, das Benzin kommt, Hauptsache billig und wir können unser Leben leben.

Die Oper hat eine tragische Geschichte, ist nicht leicht verdaulich,
aber sie ist aktueller denn je.

17.6.2022 Freitag

Ein klasse Aktion von Absolventen der Hochschule Bremen
re:material

Zitat:
Die Bauwirtschaft ist eine der größten Abfall-Produzentinnen und CO2-Emittentinnen der heutigen Zeit. Jährlich werden riesige Mengen an endlichen Ressourcen von der Baubranche verschlungen, welche nach der Lebensphase eines Gebäudes in der Regel zum Abfallprodukt in einem linearen Prozess degradiert werden. 

Auch in Bremerhaven ist der Abrißbagger ausgesprochen aktiv, und die Deponie läuft über. Es wird Zeit, sich um andere Lösungen zu kümmern.

Die Initiative legt den Finger in eine offene Wunder der Bemühungen, den Klimawandel zu begrenzen. Wir beschäftigen uns fast ausschließlich mit der Nutzungsenergie. Die Seite des BMWK unter Robert Habeck ist ein Beispiel auf diesen verengten Focus.

Aber wir haben kein Energieproblem, sondern ein Ressourcenproblem.

Zwei kleine Ausschnitte aus einem Vortrag von Prof. Werner Sobeck verdeutlichen das
Problem: 

Ab Minute 25:00:


Bei einer Gesamtbetrachtung hat die graue Energie eines Gebäudes einen Faktor von 2.7 gegenüber der Nutzungsenergie.

Wir beschäftigen uns aber fast ausschließlich mit der Nutzungsenergie  



YouTube player

Prof. Sobeck stellt ab Min 13:05 sein aus recycelten Materialen hergestelltes Haus vor.

Urban Mining und Recycling  sind die Stichworte:

YouTube player

Das sind lange bekannte Fakten, sie werden aber leider verdrängt, weil sich der Neubau von Wohnungen einfach besser anhört und Wählerstimmen bringt.

Diese Auffassung von Bauen ist für das Klima ein Desaster.

Und deshalb ist das Projekt re: material aus Bremen so wichtig.


Habeck in Bremerhaven!
Ich kann mich noch gut erinnern, als Habeck im Wahlkampf in Bremerhaven war.
Kein Lübke/Helmstedt Effekt, er weiß, wovon er spricht, und die Stadt steht bei ihm im Focus.

Gut für Bremerhaven!

Die Pressemitteilung seines Ministeriums: 

Zitate daraus:

Die Gespräche werden sich auch in Bremen den wichtigen Fragen der Transformation unserer Wirtschaft hin zu Klimaneutralität widmen, wie vor allem der Dekarbonisierung der vor Ort ansässigen Industriezweige sowie dem Ausbau der erneuerbaren Energien….

Das @klimahaus_brhv in @bremerhaven_de ist eine Perle der deutschen Bildungslandschaft. Hier wird die Verletzlichkeit der Erde und der Menschheit durch die #Klimakrise eindringlich und facettenreich beleuchtet. Bundesminister #Habeck ist Schirmherr. pic.twitter.com/2gEhb7GvC3

— Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (@BMWK) June 16, 2022

Aber, das hohe Lied der Windenergie zu singen, ist nicht unproblematisch. 

In dem Bereich ist viel Bewegung drin. Aber die Konkurrenz ist groß und die Erfahrungen vieler Ruhrgebietsstädte haben gezeigt, dass die Konzentration auf eine
“One-Trick-Pony” Strategie mit sog. Schlüsselindustrien gefährlich ist.

Bremerhaven ist noch immer ein Werftstandort, das Potenzial für Umwelttechnik groß. Bremerhaven ist ein Wissenschaftsstandort, das Potenzial, dass die Stadt nach einem Politikwechsel im nächsten Jahr zum Reallabor wird ist groß,

Bremerhaven ist ein Hafenstandort, das Potenzial ein Reallabor für resiliente Lieferketten zu werden, ist riesig.


Neues  Café an der Ecke Schleusenstraße und Alte Bürger! Es sind tolle Räume, die zuletzt bei der letzten Art Space genutzt wurden.

16.6.2022 Donnerstag


Ich habe mir gerade den CPPI Index 2021 der Weltbank angeschaut.
The Container Port PERFORMANCE INDEX 2021

Der Index mißt die Effizienz der Häfen weltweit. Link zum Bericht in pdf Form

Erstaunlich, Bremerhaven liegt da weit vor Hamburg, Rotterdam und Wilhelmshaven.



Es wäre mal Zeit, das zu bemerken, und dann an der Zukunft des Hafens zu arbeiten.
Anstatt sich über die SWOT Analyse herzumachen, und diese ( wie CDU und Bremer Grüne) etwas plakativ zu interpretieren.


Aber man wundert sich ja nicht nur über lokale Verwurstelungen:

Die FAZ berichtet heute:

Hafenkonzern HHLA warnt: Container verstopfen auch den Hamburger Hafen https://t.co/7nXz39nRY5

— FAZ Wirtschaft (@FAZ_Wirtschaft) June 16, 2022

Im Text:
Konzernchefin Angela Titzrath richtete am Donnerstag einen Appell an Reedereien, Speditionen, die Bahn, Auftraggeber sowie Behörden, sich besser abzustimmen. Alle Teilnehmer in der logistischen Kette sollten sich ihrer Verantwortung bewusst sein und die Lage nicht für eigene Interessen ausnutzen, sagte die HHLA-Chefin am Donnerstag bei der virtuellen Hauptversammlung……
Angetrieben wird das Ergebnis vor allem durch höhere Lagergelder für Container, die die HHLA wegen der teils mehrwöchigen Schiffsverspätungen kassiert.

Also salopp gesagt, der Hamburger Hafen verdient an der Krise ganz gut!

(War da nicht mal was mit Gewinnabschöpfung für Krisengewinner?
Ach ja, das galt nur für das Brot der westlichen Welt, dem Benzin!)

Aber das sieht man in den USA mittlerweile skteptischer:

FMC Reaches $2 Million Settlement with Hapag-Lloyd Over Alleged Detention and Demurrage Violations https://t.co/PhpwrFVm1y

— gCaptain (@gCaptain) June 9, 2022

Zitat:

Die US-amerikanische Federal Maritime Commission hat mit der deutschen Containerreederei Hapag-Lloyd einen Vergleich in Höhe von 2 Millionen US-Dollar wegen mutmaßlicher Verstöße im Zusammenhang mit deren Festhalte- und Liegegeldpraktiken genehmigt.

Deutschland scheint aber für Hapag-Lloyd eine sicherer Hafen zu sein!
Reaktionen aus der Politik?

Wahrscheinlich wieder:
WESERVERTIEFUNG!
Der heilige Gral der Unverbesserlichen, wenn man nicht mehr weiter weiss!

Tja, so wird das nix, wenn sich die drei Häfen nicht zusammentun, wird es eng!


Die Magistratsreform ist gelaufen!

Facebook Post der NZ. Beitrag der NZ

Eigentlich Schade, dass die Magistratsreform gestoppt wurde, ich hatte schon was vorbereitet.

OK, das Problem der politischen Beamten!
Dazu hat Prof. Dr. Josef Franz Lindner in seinem Aufsatz ZBR 2011 150 :
“Der politische Beamte als Systemfehler “ treffend geschrieben.

Der politische Beamte als heute akzeptiertes Paradoxon des Berufsbeamtentums.

Prof. Lindner

Der Grundgedanke der Versorgungssicherheit wird durch die Möglichkeit der Anordnung des sofortigen Ruhestandes ad absurdum geführt. Und, wo passt das schon, außer in exorbitanten Positionen. 

Folgerichtig hat das BVerfG diese Skurrilität auf nur wenige Ausnahmefälle begrenzt:
Süddeutsche Zeitung vom 18.2.21. 

Bremerhaven gehört sicherlich nicht in diesen erlauchten Kreis.

Man wollte sich einfach einen handzahmen Magistrat bauen.

Die Väter der Stadtverfassung haben sich schon etwas dabei gedacht, als sie schrieben:

Organe der Stadt sind die Stadtverordnetenversammlung und der Magistrat.

§5 Stadtverfassung Bremerhaven

StVV und Magistrat sind also als selbstständige Organe gedacht, nicht als Wirt und Kellner!

Es sind also selbstständige Organe der (Gebiets)Körperschaft Bremerhaven, die sich im Idealfall ergänzen und kontrollieren sollen. ( Grundkurs ÖRecht)

Ein Organ sollte jetzt einfach nach den Willen der Parteien kastriert werden, und dem politischen Organ Stadtverordnetenversammlung untergeordnet werden, damit man freie Bahn hat.

Es macht schon Sinn, daß Verwaltung und Politik nicht im gleichen Takt schwingen, und die Verwaltung nicht vollständig von Parteisoldaten eingenommen wird.

Wir erleben ja schon jetzt, wie bei Großprojekten durchregiert wird, ohne Rücksicht auf Verluste oder Sachverstand.

Und im Magistrat sollte Sachverstand herrschen, und keine Parteidisziplin. 

Und das Argument der Professionalität: Was soll denn daran professionaler sein, wenn die ehrenamtlich agierenden StVV jetzt politische Beamte ohne Auswahlverfahren einsetzten?

Alles Grundsätze der Gewaltenteilung! 

Was noch zu sagen bleibt, ist die parteiübergreifende Bräsigkeit des Verfahrens.

Was wußte ich, der gemeine Bürger aus Bremerhaven, von der “Reform” ?

Facebook Post der NZ. Beitrag der NZ:

Wenig, und das ist das eigentliche Problem.
Die Magisterratsreform wurde als Geheimsache behandelt, der Vertrag, in dem sich die Parteien einigten, blieb und bleibt verborgen.

Wir kennen diese Grundhaltung ja schon von der “Gestaltungswerkstatt” zur Innenstadt.

Die Reform ist aber eine der wichtigsten Änderungen seit Jahrzehnten

Nachgeschlagen bei der SPD :
erst Fehlanzeige, aber heute Vorwürfe Richtung Bremen! Selbstreflexion ist keine SPD Tugend.
Bei der CDU, erst Fehlanzeige, heute natürlich der gleiche Aufschrei

Ich denke da sofort an Ockhams Rasiermesser:
Von mehreren möglichen hinreichenden Erklärungen für ein und denselben Sachverhalt ist die einfachste Theorie allen anderen vorzuziehen.

Vielleicht liegt ja nicht Bremen falsch, sondern Bremerhaven.
Bremen hat immerhin §53 BBG auf seiner Seite.
Und jeder Jurist ist mit Einzelgutachten vorsichtigt.
Zwei Juristen, drei Meinungen! Das ist noch immer eine gute Leitlinie!
Auf ein Gutachten sollte man nicht unbedingt eine Jahrhunderreform stützen.

Ich wäre ja gerne auf den Inhalt der Reform eingegangen, nur das konnte ich nicht, ohne das Papier zu kennen. Und, das war und ist unter Verschluss.
Durch diese Politik der verschlossenen Türen werden populistischen Aktionen der BIW, die das Thema natürlich dankend annahmen, erst möglich.

Allein die FDP und die Grünen äußern sich auf ihren Internetpräsenzen zu der Reform.
SPD und CDU  haben es anscheinend nicht so mit den gemeinen Bürger/innen.

Und, was sollte das unsägliche Quorum von 3% für ein Bürgerbegehren?
Einfach mal nachrechnen: Dann reichen bald 4000 Stimmen für ein Bürgerbegehren?

Dann darf sich Bremerhaven wohl bald auf Aktionen der AFD und der BIW einstellen, die die Columbusstraße dann 6 spurig ausbauen wollen icl. Tankstelle und McDrive!

Bürgerbegehren mit einem niedrigem Quorum bieten für finanziell gut aufgestellte Populisten beliebte Einfallstore.
Die 5% der Stadtverfassung waren schon mit Bedacht gewählt.
Die Stadtväter waren echt gut!

Die Möglichkeit von gelosten Bürgerforen ist eine moderne Form der Bürgerbeteiligung.

Aber die Formulierung : Möglichkeit von…? 

Ich hoffe jeden Samstag auf die “Möglichkeit” eines Lottogewinnes.
Also, auch eine Nebelkerze.
Das geht besser:
Städte wie Offenbach entwickeln Leitlinien zur Bürgerbeteiligung 
oder z.B. Bonn

  • Kurz, bei einer solchen Reform, die schon im Vorfeld Diskussionen ausgelöst hat, kommt es auch auf das Kleingedruckte an, und nicht auf Hinterzimmergespräche von zeitweise wichtigen Personen in der Stadt.

Aber, ist ja jetzt Schnee von Gestern.

Hoffentlich hat man gelernt, daß Kommunikation von Anfang an,
mit den Menschen in der Stadt und
auch mit Bremen solche Fehlschläge vermeiden kann.

Ärgerlich!

15.6.2022 Mittwoch

An sich finde ich die Werbeaktionen von Bremerhaven Erleben gut, sie machen gute Arbeit. Aber die aktuelle Aktion finde ich doch ein wenig zynisch:

Neue #Werbekampagne “Unsere Zukunft verstehen” ziert große XXL-Türme im #Bremen. Besucht das #DeutscheAuswandererhaus, das #DeutscheSchifffahrtsmuseum, das #Klimahaus und den #ZooamMeer in #Bremerhaven.#bremerhavenerleben #meererleben #ferien #nordseeküste pic.twitter.com/Q6YKm9j20q

— Bremerhaven erleben (@BremerhavenInfo) June 15, 2022

Unsere Zukunft!
Aus der Sicht eines jungen Menschen sieht das in Bremerhaven ganz anders aus, eher eine Dystopie.
Die Straße im Hintergrund, wohl die B6 in Bremen, passt da ganz gut, und zeigt, wie wenig man sich um die Zukunft der Jugend kümmert.
Man hätte auch gleich ein Plakat auf einen SUV kleben können: Klimaschutz jetzt!

Ich kann die jungen Menschen verstehen, die sich auf Straßen festkleben, anders finden sie doch überhaupt kein Gehör.

Auch die Meinungsmelder bei ButenuBinnen haben deutlich zu verstehen gegegen:

Bitte keine Störung!

Die Politik in Bremerhaven ignoriert den Klimawandel weitestgehend.
Bauen und Verkehr, die größten Klimatreiber überhaupt, werden weiter forciert, der Klimawandel nur als Energieproblem verstanden, nicht als Ressourcenproblem.
Alle Bemühungen bleiben Stückwerk, die Klimaziele werden weit verfehlt.
Und dann so ein Plakat??

Und was ist mit den Folgen des Klimawandels?

Da freut man sich über eine Extremwetterausstellung im Klimahaus, obwohl man die Warnung der Ausstellung schlicht ignoriert.

Die Experten warnen:

Und was macht Bremerhaven?

Extremwetter gibt’s hier nicht.

Ich hatte bei der Vorstellung der Pläne für das Werftquartier extra nachgefragt, ob das Thema Klimarisko bei der Planung berücksichtigt wurde? ( 1:15:19)

Antwort: Alles kein Problem!

Es gibt kein Klimarisikokonzept!

YouTube player

Grob fahrlässig ignoriert Bremerhaven den Klimawandel und dessen Folgen.
Aber dafür gibt es dann ja eine Extremwetterausstellung!
Wenn es nicht Realität wäre, könnte man es für eine Satire halten!

Und für die Hitzewellen die uns drohen -die erste ist ja schon im Anmarsch-, werden wir dann die neue Lagune bitter nötig haben!

An sich eine prima Idee. Nur, vor ein paar Wochen habe ich persönlich eine Rettungsaktion erlebt. Eine Frau war  am Weserstrandbad in die Weser gestiegen, und wurde abgetrieben.

Ein mutiger Feuerwehrmann sprang in Höhe des Willy Brand Platzes in die Weser, um sie zu retten. Er hatte sehr viel Mühe, gegen die Strömung anzukämpfen. 

So extrem hatte ich mir das nicht vorgestellt!

Also, ein wenig Vorsicht ist bei aller Euphorie schon geboten.


14.6.2022 Dienstag

Gestern war der Sommerempfang der Stadtverordnetenversammlung und des Magistrates im Fischbahnhof.

Es war wirklich schön, nach den ganzen Corona Einschränkungen in Präsenz viele Akteure zu treffen, die Atmosphäre war locker, und die Reden kurz, also alles gut. 

Die Präsenzveranstaltungen sind als wieder zurück!

Eine Erfahrung der letzten Zeit ist auch, dass Zoom Konferenzen ihre Vorteile haben, wenn es um Sachthemen geht. So habe ich mittlerweile einige Sitzungen miterlebt, deren Inhalt kaum haften, geblieben ist da die Akustik schlecht war, die Präsentation kaum zu sehen war, die Räume schlecht belüftet und zu klein waren und kein Platz zum Mitschreiben war. 

Und einige Veranstaltungen erforderten Anfahrten und Zeitaufwand, die in keinem Verhältnis zum Inhalt stehen.

Die Mischung macht es, und es wird eine Herausforderung der nächsten Zeit sein, hier die Waage zu finden zwischen Präsenz und Online zu finden, und Hybrid sollte zum Standart werden.

Nach der Veranstaltung, so um 21:30 die nächste Erfahrung. Hinfahrt mit dem Hafenliner, als überzeugter 9-Euro-Ticket Liebhaber.
Feine Sache, ich muß mir keine Gedanken über die Tarifzonen oder irgendwelche Buchungsapps machen.

Leider aber auch eine ernüchternde Erfahrung. 

Nur zu Erläuterung! An ganz normalen Mo.-Fr. Tagen fährt der Hafenliner das letzte Mal um 19:32 vom Fischbahnhof ab! Unsere auswärtigen Besucher dürften die Einschränkungen im Annex kaum wahrnehmen, und dort noch lange stehen.

Was soll das?

Wir haben Sommer, der Fischereihafen ist gut besucht, der Parkplatz war voll belegt.
Und da fährt kein Bus mehr ab… ? 

Der ÖPNV in Bremerhaven ist gut, die Verbindungen gut getaktet.
Aber wenn am 21:32 Uhr ab Fischereihafen nichts mehr fährt, dann hat man die Grundfunktion des ÖPNV nicht verstanden.

Der ÖPNV ist ein Dienstleister, und kein Bedarfsleister!

Ein Grund, warum viele beim Auto bleiben, und ich wohl besser mit dem Rad gekommen wäre.

Zwei Beiträge (leider Paywall) zur deutschen Einstellung zum ÖPNV:
SZ: Was kann die Deutsche Bahn von der Schweiz lernen
Zitat:
9-Euro-Ticket ” Nur billig reicht nicht!”
Wenn wir aufgrund der Klimakrise stärker auf den öffentlichen Verkehr setzen wollen, muss Bahnfahren schön und attraktiv werden. Das ist der Auftrag, und der wird im Moment in Deutschland so nicht erfüllt.

Und die ZEIT: Flatrate für immer

Das 9-Euro-Ticket belebt die Diskussion darüber, ob Nahverkehr nicht einfach kostenlos sein sollte. Luxemburg probiert es seit zwei Jahren aus.

…François Bausch:Denn der Verkehrsminister weiß, was sich auch woanders gezeigt hat: Auf einen kostenlosen Nahverkehr steigt niemand um, wenn der Bus nur zweimal am Tag kommt und die Bahn dauernd Verspätung hat. Wichtiger als der Preis sind Komfort, Verlässlichkeit, Pünktlichkeit. Da setzt die Strategie der Luxemburger an.

Also, da ist in Bremerhaven noch viel Luft nach oben.

Und, wenn ich so mit dem Hafenliner fahre, fallen mir die vielen Sonderspuren auf.
Eine Idee wäre es, sich mal mit der Uni zusammen ein modernes Verkehrssystem zu überlegen, das zumindest der Idee einer Straßenbahn nahe kommt.
KI gesteuerte Wagen, die auf festgeschriebenen Wegen fahren.
Als Beispiel ein System aus Sichuan.
Zukunftsmusik?
Nein, nur moderne Stadt!



Die CDU regt sich über die Hafenentwicklung auf. 

Zur Sache habe ich genug geschrieben, aber wie schon die Kritik des Grünen Robert Böcking geht auch diese Kritik an der Realität vorbei. Das sog. SWOT Papier gibt nur den Inhalt der Workshops wieder, und die jetzigen Kritiker der CDU habe ich dort nicht gesehen. Auf diesen Workshops wurde aber deutlich, dass die Probleme weitaus komplexer sind, und die Frage der Digitalisierung eher ein Problem der Vernetzung ist.
BLG und Bremenports sind an sich gut digital aufgestellt, aber die neue Zeit, und die jetzigen Erfahrungen mit zusammenbrechenden Lieferketten erfordern ganz andere Herangehensweisen.

Der Hafen in Bremerhaven ist bei weitem nicht abgehängt wie dargestellt und steht im Grunde genommen gut da.

Um mit Häfen wie Antwerpen oder Rotterdam zu konkurrieren sind tiefgreifende strukturelle Änderungen nötig, die nicht so einfach zu bewerkstelligen sind.

Und, BLG wird 2030 klimaneutral werden, was man von den Zielen und Maßnahmen der CDU in Bremerhaven wohl kaum behaupten kann.

Die Kritik ist wohl eher dem Wahlkampf geschuldet und hat mit der Realität reichlich wenig zu tun. 


Ein Zitat aus der Printausgabe:

Die Abrisskosten seien nur ein Teil der Summe, die die Stadt in das Grundstück investieren müsse, bevor es an einen Investor weiterverkauft werden kann, erklärt Heigenmooser. Neben dem eigentlichen Abriss seien noch weitere Dinge zu tun. Man müsse zum Beispiel die Straße Am Alten Hafen wiederherstellen und vervollständigen. Daher seien 12,5 Millionen Euro aus dem Bremen Fonds des Landes beantragt.

Dieser Abschnitt machte mich stutzig, da ich bisher noch nie gelesen haben, daß Bremerhaven das Grundstück ( ….nach einer Grund-Reinigung! Ja sind wir denn eine Putzkolonne) verkaufen will.

Bremerhaven hat nichts gelernt! Kommunen verkaufen ihre Grundstücke nicht mehr, wenn sie diese mal wieder in ihr Eigentum überführen konnten.

Wer weiß, was nach dem jetzt „genehmen“ Investor kommt. Vorkaufrechte, OK geht, aber mit rechtlichen Problemen behaftet. Melf Grantz ist doch Anwalt, und er wird wissen, daß nur Pachtverträge da weiterhelfen können und einigermaßen rechtsfest auf lange Zeit sind, wenn das Investoren-Karussell sich wieder schneller dreht, und der jetzt so ersehnte “Neue Anker” einigen Investoren bald wie Blei am Hals hängt.

Und, die Entscheidung des Rechnungshofes in Niedersachsen sollte alle roten Lampen im Magistrat aufleuchten lassen. Der Rechnungshof hatte die Ausweitung der Coronahilfen für alles und jenes kritisiert, da sie mittlerweile, wie im Land Bremen, zu einem Schattenhaushalt führen.

Innenstadt und Karstadt haben nun wirklich nichts mit Corona zu tun, und man sollte die Gelder nicht als Investitionsgrundlage ansehen, eher als kurzfristig verfügbare Nothilfe.

Die Gelder sind nicht dafür gedacht, Investoren einen roten Teppich auszulegen. Denn zur Zeit, so lässt es der Artikel vermuten, dienen Abriss und “Reinigung” des Grundstückes nur dazu, das Grundstück attraktiver für Investoren zu machen, aus welchen Gründen aus immer!
Die Stadt verkauft schon wieder ihr Tafelsilber. Nichts dazu gelernt!

Kurz:
Die ganze Innenstadtplanung ist mit heißer Nadel genäht, und sollte keine Chefsache von Melf Grantz sein, sondern lieber mit Beteiligung der Menschen in der Stadt, mit Herz, mit Verstand und mit Ruhe angegangen werden.

Für die jetzige Eile besteht, genauso wie beim Abriss des Finanzamtes, kein Grund. 

Außer, vielleicht der Wahlkampf, aber das wollen wir doch nicht unterstellen!


13.6.2022 Montag

Samstag Abend, die Nacht der Kultur in Bremerhaven.

Am neuen Hafen spielten zwei Jazz-Bands.
Wir setzten uns auf die Bank bei der Schiffergilde und hörten uns die Gruppe an, die dort spielte.

Die NARDES Connection spielte, und es war wirklich feinster Jazz! 

Eine herrliche Abendstimmung am Neuen Hafen. Warum nicht öfter?

Leider hatten die Büdchen, die dort stehen, alle geschlossen. Ich hätte mich über ein paar Pommes gefreut (… Pommes geht immer).
Zum Glück hatte die Schiffergilde die “Grundversorgung” übernommen. Und so gab es auch ein Bier.

Vorher waren wir in der Ausstellung im Timeport II Titel der Fotoausstellung der Architektenkammer Bremen!

„Der ist dann bald weg!“ 

Gemeint ist der Columbusbahnhof!

Was für eine Schönheit! Und das soll abgerissen werden und durch die stumpfe aktuelle Architektur für Durchgangstouristen ersetzt werden? 

Ein kleines Drama, aber die Stadt mag ihre Geschichte nicht sonderlich, anders kann ich es mir nicht erklären.

Wie es der Zufall wollte, erzählte während eines Essens am Sonntag eine Bremerhavenerin, die ab und zu ihre Heimat besucht, von den Hafenkonzerten im Columbusbahnhof, die sie früher am Radio verfolgt hat.

Wie bekommt man diese Atmosphäre wieder zurück in die Stadt? 

Wie schafft man wieder diese Verbindung zwischen Columbusinsel und Stadt?

Ein reines Kreuzfahrtterminal ist keine gute Idee, denn, ich hatte schon darüber geschrieben, die Riesenschiffe wollen, dass ihre Gäste an Bord konsumieren, dort machen sie ihren Gewinn. An den Hafenstädten haben sie nicht das geringste Interesse.
Die Wertschöpfung muss in die Stadt geholt werden!

Sonst bleibt in Bremerhaven nur schwarzer Rauch übrig!

Die Columbusinsel wieder als Ort von Kultur und Konzerten? 

Eine Fähre zwischen Roter Sand und Columbusinsel? 

Die Hafenstraße wieder als Bindeglied?

(Sie ist heute wieder Thema in der Printausgabe der NZ )

Ich will hoffen, die Fotos der Architektenkammer vom Columbusbahnhof erscheinen auch als Buch!

ekrowski

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