Stephan Balkenhol (Mann mit grünem Hemd und weißer Hose, 1987, Frau im roten Kleide) Figuren am Kunstverein und an der Kunsthalle in Bremerhaven

Meine Notizen zur Woche 32 in Bremerhaven ; Aktualisiert: 13.8.2022 10:00

13.8.2022Petram setzt die Stadt unter Druck ;
12.8.2022Werftquartier, Petram wird nervös
11.8.2022Das Monopol der Reedereien als Preistreiber ;
10.8.2022Was ist der Markenkern von Bremerhaven
9.8.2022Unfallschwerpunkt Hafenstraße ; Schuldenfalle Auto
8.8.2022Die Alte Bürger und der Verkehr ;

Kommentare gerne bei Discord unter: https://discord.gg/q3hZve5e

Zu der Skulptur: .
Mit der Skulptur (Mann mit grünem Hemd und weißer Hose, 1987) von Stephan Balkenhol verbindet mich ein gemeinsames Schicksal, da wir beide von Münster nach Bremerhaven gezogen sind.
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wo die Skulptur in Münster stand.
Kunst verbindet eben, und die “Sculptur” in Münster ist eine Nummer für sich, besonders wenn man sich die Anfänge anschaut und wie wichtig die Veranstaltung mittlerweile für Münster geworden ist.
Aber das ist ein anderes Thema, das auch für Bremerhaven wichtig werden könnte.

Zum “Alltagsgeschäft” :

12.8.2022 Freitag

Nach dem Beitrag von heute Morgen (s.u.) hat die Nordseezeitung heute Abend noch einmal nachgelegt .
(Leider nicht auf FB oder Twitter teilbar und PayWall)
Die Koalition scheint sich ja fast zu überschlagen, wenn Dieter Petram mit etwas Geld und seinen Kontakten wedelt. Und Dieter Petram zieht wirklich alle Register, mit der Drohung, dass auch andere Investoren sich die Sache genau anschauen würden. Jetzt wird man sich den Bebauungsplan wirklich ganz genau anschauen müssen.
Hier kann eine große Chance ganz schnell verspielt werden.
Und die KOA sollte daran denken, welche Interessen sie vertritt.
Mir ist momentan nicht so richtig klar, wer Wirt und wer Kellner ist.
Denn Beschlüsse, dass das Werftquartier wirklich mal ein Vorzeigeprojekt für eine Klimastadt wird, sind bisher nicht gefallen.

Das Wort Klima ist für die Koalition und für Petram noch immer eine heiße Kartoffel.
Warum jetzt die Eile? Das sollte man sich auch mal fragen!
Solche Projekte können schnell, wie das Hafencenter in Münster (s.u.) richtig gegen die Wand gefahren werden.
Eile und Druck ist da ein sehr schlechter Ratgeber.


Wie Dieter Petram denkt, dass wird klar, wenn man sein Interview für ” Heuer Dialog ” liest.

 Wenn in den nächsten Jahren die oben beschriebenen zukunftsfähigen Wohnungen bereit stehen, wird es vernünftig sein, auf den Grundstücken alter Wohnbestände Neubauten zu errichten, deren Instandhaltung, auch unter energetischen Gesichtspunkten nicht mehr sinnvoll ist. So könnten ganze Straßenzüge nach und nach als zukünftige Bauflächen in der Stadt Bremerhaven zur Verfügung stehen.

Dieter Petram in Heuer Dialog 13.5.2022

Klimaneutral ist da nichts, höchstens energieneutral. Architekct for Future haben schon vor einiger Zeit 7 Punkte für nachhaltiges Bauen genannt, die in der Form auch in die EU Pläne eingehen.

  1. Hinterfragt Abriss kritisch
  2. Wählt gesunde und klimapositive Materialien
  3. Entwerft für eine offene Gesellschaft
  4. Konstruiert kreislaufgerecht
  5. Vermeidet Downcycling
  6. Nutzt urbane Minen
  7. Erhaltet und schafft biodiversen Lebensraum

Das Werftquartier ist auf dem besten Weg, alle Punkte zu reißen.
Das muß man im Jahr 2022 erst einmal hinbekommen, ohne von der Zivilgesellschaft und von der Politik gestoppt zu werden.

Aber ein Bild sagt ja mehr als tauend Worte:

so sieht Klimaneutralität beim Werftquartier aus! ( Stand: 13.8.2022)

Eins muss man der Menschheit ja lassen: wir werden wirklich vollkommen zurecht aussterben. pic.twitter.com/LU7hij0NMB

— Simone de Boudoir (@SimoneBoudoir) August 11, 2022




Das Schöne an Bremerhaven ist, auch wenn man sich schon auf ein Thema vorbereitet hat, überholen die aktuellen Nachrichten die Planungen.

Die Nordseezeitung berichtet ( leider PayWall, passt zum Thema).

Ärger ums Werftquartier: Springen die Investoren ab?


Also, Petram winkt mit 50 Mio Investitionen( Najade =47, nur so als Maßstab), und die Stadt soll springen?

(Die Nordseezeitung hat ihre Seite geändert, und Beiträge sind auf FB und Twitter kaum noch zu teilen.)

Bei einem Projekt, das Bremerhaven verändern wird, und das laut Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 5.7.2022 noch immer nicht klimaneutral i.S.d Berichtes der Klimaenquete geplant wird, soll es lieber schnell, als genau gehen.

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Ich glaube Dieter Petram ist nicht bewußt, dass das Bauplanungsamt nicht sein Dienstleister ist.

Bisher existiert vom Werftquartier nur eine „Rahmenplanung“ ohne Klimarisikoanalyse mit vielen „Sollte“ und “Könnte“, wenn es um Nachhaltigkeit geht.( S. 43/47 des Rahmenplanes )
Eine klar formulierte und verbindliche Zielsetzung fehlt.
( Keine DGNB Zertifizierung, d.h. CO2 Bilanzierung )
Diese ist mittlerweile Standard, und entspricht auch den Fit for55 Plänen der EU für das Bauwesen. Natürlich will man noch schnell ein Projekt unter dem CO₂ Radar umsetzen. Es ist auch eine Kostenfrage, da es sich um Kompensationsmaßnahmen dreht, die den CO₂ Ausstoß durch die Erstellung von Gebäuden ausgleichen sollen und natürlich die Rendite schmälern.

Das Ergebnis der Planung wird Bremerhaven sehr, sehr lange prägen.
Eine Planung braucht Zeit, sehr viel Zeit. Was einmal Beton ist, bekommt man so schnell nicht weg. Das ist kein Bierzelt!

Beim Werftquartier stehen Planung und Auswirkung für die Stadt in keinem Verhältnis. Man kann solche Viertel nicht mit ein paar Beschlüssen, Ausschreibungen oder Wettbewerben gestalten.
Das sollte ein Prozeß sein, bei dem man sich langsam an die Problematik auch des Klimawandels herantastet, an die Bedürfnisse der Menschen in der Stadt ausrichtet und immer wieder prüft, ob nicht neue Wege beschritten werden müssen.

Wie solche Projekt vor die Wand gefahren werden, zeigt ein Beispiel aus Münster:

Und dort war mit Stroetmann ein solventer Investor an Bord, der auch offen war für neue Ideen und dem das ganze eher peinlich geworden ist.

Aber die Kombination aus politischen Eitelkeiten, engen Zeitplänen, einer auf Kante genähten Finanzierung und eine Missachtung des Willens der Menschen im Viertel machen solche Projekte schnell zum “Blaumilchkanal”.

Es lohnt sich, sich mit der Geschichte des Hafencenters, oder jetzt wird es Hafenmarkt genannt, zu beschäftigen.
Die Geschichte ist filmreif.
Es geht nur mit einer breiten Akzeptanz der Menschen vor Ort, und in kleinen Schritten, bei denen nach jedem Schritt überlegt wird, ob und wie es weitergeht. Eine Planung wie bei einem Lego Bausatz wird scheitern.
Leider ist dies Vorgehen in Bremerhaven nicht sehr beliebt, wie auch die Planung der Innenstadt zeigt. Auch dort haben sich durch die Dynamik des Klimawandels, der ja kein Thema war (?) die Prämissen längst geändert.

Die Bindung an nur wenige Investoren ist nicht sehr klug (um es vorsichtig auszudrücken), da es hier schnell zu “Sollbruchstellen” kommen kann.

Wir leben in einer unsicheren Finanzwelt. Siehe Kistner Gelände, und die Akteure werden anscheinend schon nervös. 
Die Zinsentwicklung, und die Entwicklung der Baupreise dürften auch der Hintergrund für den Rüffel an die Stadt sein.
Aber, die Stadt hat sich um die Belange der Menschen in der Stadt zu kümmern, und nicht um die Belange eines Investors.
Sie vertritt die Menschen in der Stadt, und nicht das Geld.

Das Werftquartier könnte Modellcharakter haben, wenn man Planungen und auch Experimente zulässt

Der Reiz der HafenCity in Hamburg, wie man auch immer zum Viertel steht, ist die Vielseitigkeit, die verschiedene Herangehensweisen an das Thema.

Ansonsten ähneln sich solche Hafenviertel/Werftquartiere. https://t1p.de/r7b89 .
Ein Beispiel aus Münster

und aus Offenbach.

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Ich hatte darüber bereits berichtet.
Aber die Gleichförmigkeit der Planungen ist erschreckend.
Es lohnt sich, die Google Bilder aufzurufen.
Die Ähnlichkeit enttäuschend.

Der Hafen in Offenbach sieht aus, wie die Planung des Werftquartiers in Bremerhaven.
Selbst die Beschreibung liest sich ähnlich.

Dieter Petram selbst war es, der mal vorgeschlagen hat, eine Internationale Ausstellung nach Bremerhaven zu holen, wie z.B. die Gartenschau in Wilhelmsburg 2013. Die Impulse für das Viertel in Hamburg waren groß, und Hamburg selbst engagiert sich bei der Entwicklung von Stadtteilen. .

Das Werftquartier könnte Modellcharakter haben, wenn man Planungen und auch Experimente zulässt.

Für Hauruckverfahren:

einmal beschlossen, das ziehen wir durch,

ist das Gelände zu schade.

Es geht im Kern um die Frage der Resilienz:
Resilienz gegenüber den Klimariskien

Aber auch um finanzielle Resilienz, die Zinsen steigen, die Baukosten steigen, und die Investoren werden schon jetzt nervös.

Alles eine Nummer kleiner, mit mehr Bedacht und Augenmaß geplant.
Den Blick auf eine durch den Klimawandel veränderte Welt gerichtet und ständiges Feedback mit der Stadtgesellschaft. Die Finanzrisiken verteilt auf viele Schultern. Wir brauchen keine Bauruinen, sondern eine lebenswerte Stadt.

Die Resilienz des Projektes muss das Ziel sein!
Und nicht der ruhige Schlaf der Investoren.

Aber es ist noch nicht zu spät. Die grundsätzliche Idee für das Werftquartier ist gut, sollte aber nicht dem Zeitgeist geopfhert werden.

11.8.2022 Donnerstag

Die New York Times berichtet über die Maßnahmen, die in den USA getroffen werden, damit die Reedereien die aktuelle Situation der Staus in den Häfen nicht ausnutzt.

The Federal Maritime Commission, a small, traditionally obscure institution, has been cast by Congress and the Biden administration to help lead the campaign to tame inflation. https://t.co/HY789ibvj1

— The New York Times (@nytimes) August 8, 2022

Eine eher unscheinbare Behörde beschäftigt sich mit den großen Reedereien. Das Problem:

Neun Containerreedereien – allesamt ausländische Unternehmen ( nicht US) – dominieren den Markt für den Warentransport zwischen Asien und Nordamerika.

3 Allianzen kontrollieren 95 % des Warenhandels auf See.

Die Reedereien haben ihre Versandkosten vervielfacht und eine verwirrende Auswahl an Gebühren erhoben. Laut Drewry, einem Branchenforschungsunternehmen, ist die Containerschifffahrtsbranche auf dem besten Weg, Gewinne vor Steuern und Zinsen in Höhe von 300 Milliarden US-Dollar zu erzielen.

Präsident Biden hat das Problem erkannt, und die steigenden Frachtkosten als einer der Inflationstreiber ausgemacht. Er
bezeichnet das ganz offen als Abzocke.

Aber das System ist kompliziert.

Durch die Pandemie wurden mehr Waren bestellt, die Containerschiffe gerieten an ihre Grenzen, die Transportkosten stiegen.

Aber auch die Häfen kamen durch weitere Störungen an ihre Grenzen, Container blieben länger im Hafen, konnten nicht abgefertigt werden.
Die Häfen verdienen an den Liegegebühren prächtig. d.h. auch die Stadt Hamburg verdient gut an dieser Situation. Soviel zur Übergewinnsteuer, nach der immer
gerufen wird. Es wäre hilfreich, sich die Preistreiber mal etwas genauer anzuschauen!

Die großen Container-Reedereien fahren derzeit Milliardengewinne ein – auch das Hamburger Traditionsunternehmen Hapag-Lloyd. US-Behörden gehen nun aber verstärkt gegen Reedereien vor, Hapag-Lloyd ist wegen angeblich unlauterer Geschäfte verurteilt worden. https://t.co/PXo2NJ4tiP

— NDR.de (@ndr) April 27, 2022

In den USA wurde Hapag Lloyd wegen seiner Liegegebührenpolitik verurteilt .

In Deutschland? Kein Thema!
Die Reedereien haben letztlich durch ihre auf Effizienz getrimmten, nicht resilienten Lieferketten eine Situation geschaffen, an der sie jetzt prächtig verdienen.
Und, bei Hapag-Lloyd reden wir noch nicht einmal von den staatlichen Subventionen.

Diese enge Bindung von Reedereien und Häfen sollte ein politisches Thema sein, denn auch bei der Hafenfusion ist das der berühmte Elefant, der im Raum steht.

Kein Wunder, dass Hamburg überhaupt kein Interesse an einer Hafenkooperation hat, warum denn auch, es läuft doch prächtig.
Wenn dann noch die Forderungen der Hafenarbeiter brüsk abgetan werden. (NZ)

Tja, und das war jetzt nur ein Aspekt der Lieferkettenproblematik, die zur Zeit in einem Reallabor den Stresstest nicht bestanden hat.

COSCO versucht sich mit einer Neuorganisation zu retten.

Organisational overhaul at COSCO https://t.co/j7dUQG0ymA pic.twitter.com/o6raLXmUhp

— Splash (@Splash_247) August 10, 2022

Aber, das Problem dürfte sehr viel tiefer liegen, oder sehr viel einfacher sein, wie man es nimmt!

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Tja, in Felixstone bahnt sich wahrscheinlich wieder ein Streik an:

Talks between union and UK container port Felixstowe end without dealhttps://t.co/UF8nve6xbZ #MaritimeCup2022

— Ships & Ports (@ShipsandPorts) August 10, 2022

Das passt es natürlich gut, daß die Ever Arm, einer dieser Container-Riesen auf den Weg nach Felixstone ist.

One of the world's largest container ships has arrived at the Port of Felixstowe. https://t.co/XbCOoCYEIO

— Ipswich Star (@ipswichstar24) August 10, 2022



Was hat das mit Bremerhaven zu tun?
Resilienz wird zum Thema für den Hafen, seien es Klimarisiken oder Störungen im Hinterlandverkehr oder auch, wie man mit den Problemen unterbrochener Lieferketten umgehen will.
Der Hinterlandverkehr, das wird noch ein großes Thema werden, denn auch dort liegen die Ursachen für die jetzigen Lieferkettenprobleme: wenn Container nicht abtransportiert werden können, bleiben sie im Hafen liegen.
Bremenports hat das Problem schon lange erkannt, aber es ist noch ein langer Weg.

10.8.2022 Mittwoch

Die Nordseezeitung berichtet in ihrer Online- und Print Ausgabe über die Kosten der Maritimen Tage in Bremerhaven.

(Leider ist der Beitrag nicht auf FB, oder TW teilbar, da die Nordseezeitung ihre Internetpräsenz geändert hat)

Maritime Tage: Müssen wir bald Eintritt zahlen?

Das Problem ist klar, die Maritimen Tage spielen ihre Kosten kaum ein, aber davon ist auch niemand ernstlich ausgegangen.
Dr. Mayer weist darauf hin:

„Von regionalwirtschaftlicher Bedeutung ist darüber hinaus der nicht monetarisierbare Imageeffekt“, sagt Bremerhavens Touristik-Chef.

Da hat er natürlich recht. Die Veranstaltung dient der Imagepflege, und die kann nicht hoch genug bewertet werden.

Aber noch eine andere Nachricht stand gestern in der Nordseezeitung:

Bremerhaven: Forscherin spricht über Abschmelzen der Polkappen am 30-8-2022 im Klimahaus
Polarforscherin Stefanie Arndt im Klimahaus Bremerhaven.

Was haben die beiden Nachrichten miteinander zu tun?

Stefanie Arndt tritt auch in der ARTE Doku: “Was wäre, wenn es kein Eis mehr gäbe? “auf.

Die Antwort auf die Frage: “Was wäre, wenn es kein Eis mehr gäbe?” ist erschreckend.
Egal wie wichtig sich die Menschheit auch nimmt, die Abläufe im System Erde laufen wie ein Uhrwerk ab, und reagieren auch die Auswirkungen menschlichen Handelns.
Kurz: Unser Handeln hat Konsequenzen, nicht so einschneidende für die Erde, aber für die Menschheit.
Wie es aussieht, ist das Anthropozän nur eine kurze Episode in der Geschichte des Planeten. Für die Menscheit aber das letzt Kapitel.

Zu dieser Frage, “Was passiert, wenn das Eis verschwindet?” hat auch Antje Boetius eine Antwort:

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Was haben Stefanie Arndt und Antje Boetius gemeinsam?
Beide arbeiten beim AWI in Bremerhaven, beide Namen werden mit dem Schiff Polarstern verbunden.
Die Polarstern wird mit Bremerhaven verbunden.

Der Beitrag in der Nordseezeitung beschäftigt sich mit einer für die Stadt elementaren Frage:
Was bleibt bei der Stadt hängen, wie ist die Wertschöpfung aus dieser Veranstaltung, den Maritimen Tagen?
Dr. Mayer stellt klar, daß die wesentlichen Effekte eher Imagepflege für die Stadt ist.

Aber was ist denn das Imaage der Stadt? Was ist der Markenkern von Bremerhaven, und was sollte er sein?

Die SAIL, und die Maritimen Tage?
Ich persönlich bin begeistert von der Veranstaltung und weiß kaum, in welches Schiff ich mich zur erst verlieben soll.
Segelschiffe sind für mich der Inbegriff der Verbindung von Natur und Mensch. Der Wind als Verbündeter, um von A nach B zu kommen.
Aber, das Thema, das für die Welt in diesem Jahrhundert an der ersten Stelle steht:

das Klima.

Bremerhaven hat nicht nur das Klimahaus, sondern auch das AWI, Frauenhofer, Thünen.

Der eigentliche Markenkern Bremerhavens sollte das Klima sein.

Nur, das wird leider in der Stadt nicht erkannt.
Warum das so ist? Ich weiß es nicht!

Warum geht kein Ruck durch die Stadt. Es ist alles da, und die Menschen in der Stadt sind schon längst weiter.

Besucher müssen die Klimastadt Bremerhaven besuchen, eine Modellstadt, die sich mit den Folgen des Klimawandels auseinandersetzt, und gegen ihn kämpft.
Die Polarstern als neues Stadtwappen, als Zeichen, wofür die Stadt steht.
Das wäre der Markenkern einer Großstadt am Meer!

OK, ich kann ja noch weiter träumen!
Aber, zunächst freue ich mich auf die Maritimen Tage!

9.8.2022 Dienstag

Ich bin gestern die Hafenstraße mit dem Rad Richtung Stadt gefahren. Wie immer ein ungutes Gefühl.

Aus Neugier habe ich mir den Unfallatlas des Statistischen Bundesamtes angeschaut.

Und

Schon bei einfacher Draufsicht fällt eine Straße besonders auf: die Hafenstraße.

Es handelt sich um Unfälle mit Personenschaden im Jahr 2021.
Warum wird das nicht von der Stadt thematisiert?

Für mich als, meistens radfahrender, Verkehrsteilnehmer ist die Straße ein Albtraum.

Das hat die Hafenstraße nicht verdient, sie ist für mich noch immer DIE Hauptstraße in Bremerhaven, die Bürger eher ein Kunstprodukt!

Aber alle Bemühungen, die Situation zu ändern, werden nichts nutzen, wenn das Verkehrsproblem nicht angegangen wird. Dann nützen auch die vielen Initiativen nichts, dies Gebiet wieder “allgemein zugänglich” zu machen.

Eine Sache wundert mich dann auch immer, wenn ich dort radel. Die Qualität der Fahrzeuge, sprich, was für teure Teile dort am Straßenrand parken.
Der Focus berichtet heute:

Risiken bei Ratenkrediten: Ausgerechnet nun tappen viele Deutsche in eine Schuldenfalle https://t.co/X3fufp34EW via @focusonline

— Ralf Ekrowski (@ralfekrowski) August 9, 2022

Wie weiter aus der Umfrage hervorgeht, fließt das meiste Geld aus Ratenkrediten in ein Auto, Renovierungen oder eine neue Wohnungseinrichtung.

Focus vom 9.8.2022

Bei einer Renovierung würde ich ja noch von Investitionskosten sprechen, aber Auto und Wohnungseinrichtung sind reine Konsumausgaben.

Jeder Anwalt kennt das Problem, wie leicht ein Auto auf Raten, oder per Leasing (… das kommt auf das Gleiche heraus, hört sich aber besser an) zu erwerben ist.
Die Automobilvertriebe funktionieren im Grunde wie Dealer, nicht der kurzfristige Verkauf eines Fahrzeuges, der Ware, ist wichtig, sondern die langfristige Bindung ( = Abhängigkeit) des “Kunden” und die Wertschöpfung aus der Geschäftsbeziehung.

Die Knebelung beim Autokauf ist perfekt. Auch Jahrzehnte von Verbraucherschutzbemühungen haben an dieser, für den Kunden fatalen, Geschäftspraxis nichts ändern können. Aufklärungsformulare werden eben mal abgehakt.
Dies ist auch der Grund, warum die Verlustaversion, die Angst, eine Position aufgeben zu müssen, gerade beim Auto so ausgeprägt ist.

Ich kaufe mir doch nicht für 60.000++ Euro ein 250 PS starkes Fahrzeug, um dann in der Stadt 30, und auf der Autobahn 120 zu fahren.
Ein Blick in den Schuldneratlas 2020 von Creditreform rundet das Bild dann auch ab: (pdf)
Bremerhaven steht dort auf dem letzten Platz. Und die Schuldenrate steigt.

Die Gründe hierfür sind sicherlich mannigfaltig, aber man könnte durchaus auf den Gedanken kommen, dass es einen Zusammenhang zwischen einer auto-fixierten Stadt und einer hohen Verschuldung gibt.
Da in solch einer Stadt das Auto auch einen hohen sozialen Prestigewert hat. “Wenn der OB schon einen schicken schwarzen Dienstwagen fährt. Ich bin es mir wert”

Als wir vor ein paar Jahren nach Bremerhaven kamen, ist uns eins sofort aufgefallen: obwohl die damalige Wohnung in einer eher einfachen Gegend lag, standen dort nur hochwertige Wagen blitzblank geputzt am Straßenrand. Wir kamen und kommen uns mit unserem Mini da richtig klein vor. Und, wir sind sofort zur Waschanlage gefahren, jedes Mal, wenn wir in Bremerhaven ankamen.
Der Prestigewert eines Autos ist in Bremerhaven sehr hoch, und Dr. H.J. Schmeckt-Lindenau hat natürlich recht, wenn er sagt, dass ein Oberklasse nutzender OB ein falsches Signal ist.

Ähnlich wie beim PKW verhält es sich mit Urlaubsreisen, die nach dem Focus Bericht, auch eine Verschuldungsfalle darstellen.

” Na, wo fährst Du denn dies Jahr hin?”

Jeder kennt diesen Dialog, wir reden dann eher von einer Fluchtbewegung, aber, das ist ein anderes Thema.

Um den Reiseverkehr zu entlasten, gibt es im Juli und August nicht nur an Sonn- und Feiertagen, sondern auch an Samstagen ein LKW-Fahrverbot.https://t.co/eHLJ9ijX0d#Sommerferien #Staus #Reiseverkehr #LKW-Fahrverbot

— Bremennews (@Bremennewsde) July 25, 2022

8.8.2022 Montag

Die NZ berichtet in der Printausgabe vom 5.8.2022 von der Alten Bürger in Bremerhaven!

#Bremerhavenhttps://t.co/xaRoE2khIM

— Ralf Ekrowski (@ralfekrowski) August 7, 2022

Ein schöner Artikel! Die Alte Bürger ist eine Sahneschnitte in Mitte.

Viele der ehemaligen Kneipenviertel haben das Problem, dass das Publikum eher zur Babyboomer-Generation gehört.
Aber, die Szene ändert sich, und die vielen Initiativen in der Alten Bürger locken auch junge Menschen an.

Eine Sache stört mich immens!
Wenn ich eine solche Kneipenmeile, egal in welcher Stadt, besuche, dann gehe ich auch gerne Flanieren.
Einfach schauen, was los ist, ein wenig draußen hinsetzen und das Geschehen beobachten.

Das bedeutet nicht, dass ich jetzt unbedingt eine Fahrzeug-freie Straße will.
Nein, dies Posieren mit dem Auto, mit dem Motorrad gehört für mich eigentlich dazu.
Café Racer, eine ganze Gattung von Motorrädern, werden noch heute so bezeichnet, weil sie dafür gedacht waren, zu posieren.
Sinnfrei, eine Straße vor dem Eiscafé zu runterzufahren, um zu posen, in der Hoffnung, dass die richtige Person hinschaut.
Da war ich in meiner Jugend mit Kreidler RS auch nicht anders.

Aber, was sich da in der Alten Bürger abspielt, ist eine andere Sache:

Ich saß neulich draußen bei Mike. Ein SUV meinte, der Smart vor ihm sei wohl zu langsam, d.h. unter der Geschwindigkeit, die er beim Kauf des SUV erworben zu haben glaubt, überholte und fuhr mir beinahe über die Füße.
Anschließend ließen die Linienbusse die Tische wackeln.
Fahrradfahren auf der Bürger?
Nur für die Hartgesottenen, die sich nicht daran stören, von einem Gelenkbus verfolgt zu werden.


Die Polizei ist präsent, fährt rauf und runter, anstatt einmal stehenzubleiben, und sich das Geschehen anzuschauen. 

Lösung?
Busse raus,
Einbahnstraße, schmal, grüne Inseln, kontrolliertes (!!!) Tempo 30, besser noch Tempo 20, technische Mittel, Schwellen (?) um die Geschwindigkeit zu reduzieren.
Verbot für Fahrzeuge mit einer Breite >2.00 m (Die gehören auf Baustellen, und nicht in die Stadt!)
Parkplätze nur noch 1/4 der vorhandenen, und nur noch für Anwohner mit Nachweis.
Im neuen Rudloffquartier wird ein Mobilitätshub geplant, vergünstigte Abstellmöglichkeit für die Anwohner, und dort können dann auch die Ladesäulen hin, so toll sehen die auch nicht aus, und kosten Platz.

Aber, auch wenn die Anlieger manchmal den Eindruck erwecken, es gebe nur die Alte Bürger.
Es gibt da noch die “Vergessene Bürger”, zwischen Lloyd und Alter Bürger, ein stadtplanerisches Niemandsland.

Auch hier das gleiche Problem, und gerade diese Meile könnte sich toll entwickeln, das naheliegende Tivoli wird gerade wieder belebt, und an der Straße lassen sich die ersten Restaurants, außerhalb der Pizza- und Döner Szene, nieder.

Aber das Problem Verkehr ist auch für die “Vergessene Bürger” der Klotz am Hals, der eine Entwicklung verhindert, und die Straße und die Stadt runterzieht.

Die Stadt, die Verantwortlichen, duckt sich weg. Ganz im Gegenteil:
Mit dem Ausbau der Kreuzung Lloyd/Barkhausen hat die Stadt bewiesen, dass sie wirklich nichts mit einer Verkehrswende am Hut hat. . Back to the 60s .
Wieder wird dafür gesorgt, dass der Verkehr leichter fließen kann. Dadurch wird wieder mehr Verkehr erzeugt.
Ein bestens belegter Effekt: mehr Raum für den Verkehr erzeugt mehr Verkehr!
Das sog. Braes Paradoxon ich hatte am 4.8.2022 darüber geschrieben.
Das ist Verkehrswende, Rückwärts!
Gruselig!

Aber zurück zum Beitrag der NZ:

Eine Clubszene?
Die braucht Freiräume und das kann man kaum steuern, wie Beispiele z.B. aus Münster zeigen.
Das “Fusion” in Münster hatte es im Ranking der Zeitschrift Esquire schon mal auf Platz 4 geschafft.. Wohlgemerkt in Münster!!
Solche Entwicklungen klappen nur, wenn Freiräume außerhalb der institutionalisierten Szene gefunden werden, oder wenn man sich diese Freiräume schafft.

Freie Flächen gibt es Bremerhaven reichlich, leere Fabrikgebäude auch. Der Funke fehlt!

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