Ich habe ein neues Video hochgeladen:
Bremerhaven: Wahlbeteiligung und Innenstadt! Oder, die Augen der Stadt

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Mein Lieblingsthema: Stadtentwicklung,
bzw. warum geht eigentlich niemand mehr in die Innenstadt ohne zu Shoppen?
Der schlechte Zustand unserer Innenstädte und die oft verwaiste Innenstadt von Bremerhaven.
Schlechter Zustand, das hat nichts mit den Gebäuden oder der Architektur zu tun. Es ist die Frage, warum die Innenstadt für uns nicht mehr die Mitte der Stadt ist.
Wir nutzen die Innenstadt, wir brauchen sie aber nicht mehr.

Und dieses Verhalten, unsere Distanz zur Innenstadt zeigt auch unsere Distanz zum öffentlichen Leben, zur Politik.
Politik hat im Wortstamm noch immer das Wort Polis, die griechische Stadt, der Ort, an dem wir leben.
Die Frage:
Welche Möglichkeit haben wir, um unsere Lebensumstände außerhalb unseres intimen Zuhauses zu gestalten?
Das ist die Aufgabe der Politik.
Wenn ich wähle, dann zeige ich, welche Menschen ich für fähig halte, das Umfeld meines Lebens zu gestalten.

Und, in Bremerhaven glauben die Menschen nicht, dass die Kandidaten der Parteien dazu in der Lage sind.

Die kleine Grafik zeigt, wie 100 Menschen in Bremerhaven gewählt (nicht gewählt = weiß) haben!
Demokratielinie?
Wenn alle Parteien einstimmig einen Beschluss fassen, sollte dieser mindesten mehr als 50% ( besser 60%) der betroffenen Menschen abbilden. Ansonsten kann ich nicht mehr von einer demokratisch legitimierten Entscheidung sprechen.

Der Erfolg der BIW macht nachdenklich, relativiert sich aber, wenn man die Masse der Nichtwähler sieht.


Zum Video:
OK, ich könnte jetzt sagen, daß ich Bücher gewälzt habe ( was ich gerne tue) und beim Studium der griechischen Literatur auf die Begriffe der Agora, des Marktplatzes, und der Polis, der griechischen Stadt, stieß.
Nein, auf beide Begriffe stößt man sehr schnell, wenn man sich mit dem Thema Innenstadt beschäftigt, und ich finde es noch immer erstaunlich, dass der Begriff Agora für vieles genutzt wird, aber selten in seiner eigentlichen Bedeutung:
als der zentrale Platz einer griechischen Polis = Stadt,
der Platz, auf dem sich die Bewohner austauschen,
der Platz, der zur Wiege der Demokratie wurde,
das Zentrum der Stadt und des Lebens in der Stadt!

Dieses Zentrum haben wir verloren, wir bleiben lieber Zuhause, wenn wir nicht shoppen wollen, oder ein Event lockt.
Ansonsten: Was wollen wir dort?

Dies:
“Ich will überhaupt nicht mehr das Haus verlassen, ich habe alles, was ich brauche zu Hause, und die anderen sind mir egal”
ist kein neues und kein seltenes Phänomen.
In Japan gibt es die Hikikomori, junge Menschen, die nicht mehr das Haus, ihr Zimmer verlassen.

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OK, das ist natürlich die Distanzierung von der Außenwelt auf die Spitze getrieben. Aber, um beim Thema zu bleiben, zeigt die Wahlbeteiligung, dass es in Bremerhaven auch einige politische Hikikomoris leben müssen.

Nein, der Hintergrund des Videos war, dass mir manchmal einfach die Decke auf dem Kopf fällt, und ich gerne “unter Leuten” bin, ohne Ambitionen groß ins Portmonee greifen zu müssen.


In den Videos sind unsere Bücher zu sehen. Ich umgebe mich gerne mit ihnen (eine Sache, die ein E-Book eben nicht kann)
Aber manchmal ist auch gut gewesen und ich muß raus!
In Münster bin ich dann mit meinem Hund Fiddich, einem Westi, dem Vorläufer von Lenny, losgezogen und habe mich ins Starbucks an der Salzstraße gesetzt.
Ich weiß, was sie jetzt denken, und sie haben recht: Starbucks?
OK, ich weiß, Kette und so. Aber, der Kaffee ist vorzüglich, und die Atmosphäre genau das, was ist ab und zu brauche.
Das Starbucks lag früher an der Salzstraße in Münster, viele Passanten, einige Bekannte.
Guter Kaffee, bequeme Sessel, schnelles WLAN, also ich konnte dort gut arbeiten.
Kleiner Einwurf:
Als sog. Freelancer konnte und kann ich eigentlich überall arbeiten, und kann mir meine Zeit frei aussuchen. Aber bevor jemand meint, das wäre so toll: Ich habe auch nie so richtig Feierabend.
Ich habe während des Studiums für das, damals sogenannte, Arbeitsamt gearbeitet, und musste viel Pendeln. Ein Vorteil für mich: diese halbstündige Autofahrt gab mir Distanz zur Arbeit.
Diese Distanz fehlt, wenn man immer und überall erreichbar ist.
Ein Problem des Home-Office. Ich habe gelernt, damit umzugehen, mehr schlecht als recht. Für viele kann das aber auch zur Belastung werden.

Wo waren wir? 

Ich konnte im Starbucks gut sitzen, arbeiten, niemand drängte mich noch etwas zu bestellen. Und wenn ich den Blick vom Bildschirm hob, konnte ich das Treiben der Passanten auf der Salzstraße in Münster beobachten. 
Da war es, was Jane Jacobs das “Bürgersteigballett” nennt.
Ein Beitrag in der TAZ:

Stadtentwicklung in New York:Schutzheilige von Greenwich Village

Deshalb bildet auch ein Beitrag in der New York Times:
26 Empire State Buildings Could Fit Into New York’s Empty Office Space. That’s a Sign.By Edward L. Glaeser and Carlo Ratti
Photographs by Gus Powell Mr. Glaeser is the chair of the economics department at Harvard and an author of “Survival of the City.” Mr. Ratti is the director of the Senseable City Lab at M.I.T. and an author of “The City of Tomorrow.”

den eigentlichen Kern des Videos.

Also, habe ich mir gedacht, ich mache mal einen Test, wo ich mich in Bremerhaven so niederlassen kann.
Wichtig: ein WLAN, nette Atmosphäre, ein bequemer Sessel wäre toll und niemand der mich fragt, ob ich noch etwas bestellen will.
Aber wenn ich einen Kaffee brauche, sollte er gut und schnell erreichbar sein.

Um es mit Loriot zu sagen: Ich will einfach nur hier sitzen!

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Meine erste Station, die Coffee Fellows im Moin Center, war für mich ein voller Erfolg.
Guter Kaffee und genau dieses Hintergrundgeräusch, diese Mischung aus dem Plätschern des neuen Brunnens (klasse Idee), und dem Gemurmel der anderen Menschen.

OK, kein richtiges Bürgersteigballett, aber es geht schon in die richtige Richtung.

Ich werde mir auch noch andere Orte anschauen.

Bis dahin viel Spaß beim Anschauen des Videos!

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